Erste Tests mit einer KTM Allrad Motorrad

Nachdem es Yamaha vorgemacht hat, experimentiert nun auch KTM mit einer zweiradgetriebenen Maschine.

Hier ein Inteview mit Kurt Nicoll von KTM Motorsport (Quelle: KTM, Foto: Haliklik):

KTM 2-WDWas sind deine Erfahrungen mit dem Allradantrieb, wo sind die Unterschiede?
Wenn du mit dem Allradantriebssystem fährst, fällt es zuerst beim Herausbeschleunigen aus Kurven, dass es sehr viel besser geht. Mit zwei angetriebenen Rädern ist es dafür schwerer Linien in der Kurveninnenseite zu fahren. Meistens nimmt man deshalb die äußere Spur, weil wenn beide Räder angetrieben sind, dann sorgt das eher für eine sehr gerade Linie. Die bessere Beschleunigung spürt man aber auch im Oberkörper, in den Armen und in den Schultern. Wenn man sehr langsam unterwegs ist, zum Beispiel am Erzberg, wenn es über Stock und Sten geht, dann dreht normalerweise sehr oft das Hinterrad durch - nicht beim Allradantrieb, da zeiht dann auch noch das Vorderrad. So kann man beschleunigen in Situationen, wo andere schon steckenbleiben. Das sind meine Eindrücke über die großen Unterschiede.

Was ist dein Eindruck, ist es nur etwas für Wettbewerbsfahrer oder hat auch der Durchschnittsfahrer was davon?
Ich glaube, das System bringt vor allem für den Hobbyfahrer große Vorteile. Für den Wettbewerbsfahrer werden die Vorteile geringer sein, denn er hat meistens ein sehr gutes Gefühl für Traktion - außerdem ist er es gewohnt, das Motorrad über ein rutschendes Hinterrad zu steuern. Wenn jemand allerdings Problem mit Steilauffahrten hat oder oft steckenbleibt, dann glaube ich bringt ihm das Allradsystem sehr viel.

Bringt es nur im Offroadbereich etwas, also im Sand oder im Schlamm, oder auch auf hartem Untergrund, wenn es nass ist?
Grundsätzlich kann man sagen, der Allradantrieb hilft mehr bei nassem als bei trockenem Untergrund. Wenn es trocken ist, rutscht man selten mit dem Hinterrad, wenn es nass ist, dagegen eigentlich dauernd. Beim Allrad gibst du einfach Gas und es beschleunigt, weil die Kraft auf beide Räder verteilt ist. Wenn es nass ist, egal ob es nasser Sand oder Asphalt ist, dann macht das Allradbike das Fahren viel einfacher.

Ist es ein ähnlicher schritt wie vor 20 Jahren mit dem Quattro?
Ja es ist sehr ähnlich. Momentan sind wir sehr am Beginn in der Entwicklung. Das Problem, an dem wir arbeiten, ist vielleicht das gleiche, das vor 20 Jahren die Allradautos hatten: das System ist schwer ! Wir müssen das Gewicht runterkriegen (momentan ca. 6kg) und wenn wir das geschafft haben, das es nur mehr en paar zusätzliche Kilos sind, dann hat es das Potential eine ähnliche Revolution auszulösen, wie damals der Quattro.

Wie ist das mit der Fahrtechnik. Muss man da nicht total umstellen?
Es ist notwendig, seinen Fahrstil ein wenig zu ändern, man muss sich daran gewöhnen, dass auch das Vorderrad immer antreibt, und das du immer einen größeren Kurvenradius nehmen solltest, und dass du erstaunt bist, wenn dich das Vorderrad aus Felssektionen herauszieht. Du musst dich schon ein wenig an das Gefühl gewöhnen, das kommt nicht sofort, wenn du 25 Jahre lang ein herkömmlich angetriebenes Motorrad gewohnt bist.

Allrad-Projektleiter Felber Wolfgang:
Das bei uns in der Testphase befindliche System ist ein mechanisch hydraulisches System mit fix eingestellter Drehmomentverteilung zwischen Vorder ? und Hinterrad. Dieses System ist schon relativ ausgereift, kann aber sicher weiter optimiert werden. KTM will in der jetzigen Phase einfach als eins der ersten Unternehmen am Ball sein, und mit Prototypen die Eignung des Allradantriebs unter verschiedensten Bedingungen austesten. Danach kann es eventuell zu einer positiven Entscheidung kommen, eine Kleinserie zu bauen.

Momentan halten sich die Vor und Nachteile des Allradantriebs verglichen zu einem konventionell angetriebenen Off Road Motorrad in etwa die Waage. Auf alle Fälle ist vom Fahrer keine Riesenumstellung erforderlich.