Es war härter als jemals zuvor in Bulcher, Texas. Die Veranstalter versuchten offensichtlich wirklich alles, um nur einen Mann im Ziel – den Last Man Standing – zu haben. Noch nie wurde bereits in der ersten Runde bei Tageslicht dermaßen ausgesiebt.

Hauptgrund dafür war neben einer erneut verschärften Strecke wohl das Duell der beiden Hardenduro-
Giganten David Knight (KTM/UK) und Taddy Blazusiak (KTM/POL), die sich gegenseitig bei ständig
wechselnder Führung zu Höchstleistungen antrieben, auch wenn’s in der ersten Runde noch nicht mal um’s Ziel, sondern nur um eine Zwischenwertung ging. Da stand wohl weit mehr als blos das Prestige auf dem Spiel zwischen den beiden. So war es nach der ersten Finalrunde nur noch der Drittplazierte Geoff Aaron (KTM/USA), der mit weniger als einer Stunde Rückstand auf die beiden die erste Runde beendete.


Nur diese drei Fahrer qualifizierten sich so für die zweite Runde bei Dunkelheit, die übrigen 97 der 100
qualifizierten Finalisten schieden damit bereits nach dieser ersten Runde aus. Unter ihnen die beiden Tiroler Dieter Happ (FLATOUT.KTM) als 24. und Martin Freinademetz (Xventure.net) als 26..


„90 Prozent Fun, 10 Prozent komplett sinnlos“, so beschrieb Martin Freinademetz in aller Kürze die Charakteristik der Finalstrecke. „In den 10 sinnlosen Prozenten halfen wir uns gegenseitig beim Tragen unserer Bikes über schlammige und zum Teil senkrechte Passagen. Unfahrbar. Die weiteren 90
Prozent haben aber sehr viel Spaß gemacht “, fügte er im ersten Live-Report aus Texas hinzu.
Die beiden machten in ihrem Finallauf zusammen mit dem Deutschen Stefan Müller in ihrer Dreier-Seilschaft nahezu 50 Plätze aus der Quali gut, und hätten auch noch die Kraft (und die Motivation) gehabt, um weiter zu fahren. Doch die knapp gesetzte Time-Bar verhinderte das. Nach 25 Meilen (bzw. 40 Kilometern) der ersten Runde war der Rückstand auf den Führenden bereits auf eine Stunde angeschwollen und das Rennen somit vorbei.

„Wir konnten zwar gut aufholen und ließen schon am Anfang viele bessere Fahrer aus der Quali hinter uns, aber die Strecke wird mit jedem Paar Reifen, das da durch wühlt schlechter, und das machte uns vor allem in einigen tiefen Schlammlöchern sehr zu schaffen. Ohne gemeinsames Zerren und Tragen ging da gar nichts mehr, und das kostete leider viel Zeit“, so Dieter Happ.

Die erreichten 11 km/h Durchschnitts-Geschwindigkeit von Happ und Freinademetz sprechen eine deutliche Sprache, was die Streckencharakteristik betrifft: Eine fahrtechnische Gemeinheit jagt die Nächste, es gibt so gut wie keine Passagen, die ein Ausruhen oder zügigeres Vorwärtskommen zulassen würden. Die Kühler und die Fahrer kochten einfach ständig.
Als die letzte der beiden Runden bei Dunkelheit gestartet wurde, waren nur noch die besagten drei der 100 Teilnehmer am Start. Der Titelverteidiger und zigfache Enduro-Weltmeister David Knight (UK/KTM) der in der ersten Runde zusammen mit Shootingstar Tadeusz „Taddy“ Blazusiak (POL/KTM) für die ultraschnellen Richtzeiten an der Spitze sorgte, mußte in der Nacht-Runde einer Atemwegsinfektion Tribut zollen und beendete sein Rennen bei cirka der Hälfte der Strecke in akuter Atemnot. Damit war Blazusiak der Last Man Standing. Er fuhr sein Rennen souverän und locker ins Ziel.